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11. März 2024

Q1 im Theater: Das Publikum stimmt für die Beihilfe zum Suizid

Am Montag, dem 4. März 2024, ging unser Q1-Religionskurs von Frau Dyllong ins Düsseldorfer Schauspielhaus und schaute sich das Theaterstück „Gott“ von Ferdinand von Schirach an. Das Stück handelt von dem 78-jährigen Richard Gärtner, welcher sterben möchte, obwohl er körperlich kerngesund ist. Doch seit dem Tod seiner Frau kann er keinen neuen Lebenswillen mehr aufbringen. Darum bittet Gärtner seinen Hausarzt um Beihilfe zum Suizid. Dieser verweigert allerdings die Mithilfe. Der Fall von Richard Gärtner wird dem deutschen Ethikrat vorgelegt, in dem Sachverständige aus Justiz, Medizin und Kirche über das allgemeine Recht auf einen „ordentlichen“ Tod beraten. Am Ende des Stückes sind es allerdings nicht die stimmberechtigten Mitglieder des Ethikrates, die über die Empfehlung abstimmen, sondern das Publikum. Dafür bekam man als Zuschauer vor dem Eintritt in den Theatersaal eine rote und eine grüne Karte, mit denen man für oder gegen den allgemein rechtlichen Anspruch auf eine Beihilfe zum Suizid stimmen konnte.

Nach unserer Sitzung wurde mit recht eindeutiger Mehrheit für das allgemeine Recht auf eine Beihilfe zum Suizid gestimmt.

In der Religionsstunde nach unserem Theaterbesuch wurde eine Nachbesprechung gehalten, in der wir unsere Meinungen zum Stück äußern konnten. Es wurden neben positiven Rückmeldungen auch negative Ansichten geteilt. Besonders kritisiert wurde an dem Stück, dass man als Zuschauer indirekt von einer deutlich einseitigen Argumentation in dem Stück beeinflusst wurde, was eventuell auch das klare Resultat in der abschließenden Abstimmung erklärte. Denn von einigen im Kurs wurde während des Stückes empfunden, dass die konservativen Sachbeauftragten der Kirche und der Medizin, die gegen das Recht auf eine Beihilfe zum Suizid argumentierten, von dem Autor des Stückes in eine Ecke gedrängt wurden und somit sehr schwach und wehrlos gegen die Argumente der anderen Position wirkten.

Andere wiederum lobten das Stück, weil sie dazu angeregt wurden, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen und dies sehr interessant fanden, weil man beim Nachdenken über das Thema des Freitotes gleichzeitig mehr über sich selbst und seine eigenen Werte erfahren hat.
Insgesamt betrachtet stellte der Theaterbesuch für uns alle im Kurs ein Anlass dar, an dem wir uns mit den eigenen Werten und Gefühlen auseinanderzusetzen hatten, indem wir mit der Frage konfrontiert wurden, ob wir das allgemeine Anrecht auf Beihilfe zum Suizid genehmigen würden.
Durch den aktiven Austausch innerhalb des Kurses lernte man zudem die Normen und Werte seiner Mitschüler etwas näher kennen, wodurch man wiederum einen Anlass zur Reflexion seiner eigenen Position bekam und dies mit Sicherheit den ein oder anderen persönlich bereichern konnte.

JanQ Kooshani, Q1
Foto:  Sandra Then, Düsseldorfer Schauspielhaus