08. März 2022

Weimar - mehr als Goethe und Schiller

Der klassisch gebildete Mensch wird bei dem Titel zurecht direkt einwenden, dass Weimar natürlich mehr als Goethe und Schiller ist - zählen doch neben den beiden auch noch Wieland und Herder zu dem Quartett, das als die Großen Vier bezeichnet wird. Doch Weimar ist eben auch mehr als die Klassik. Wohl kaum ein Ort bietet in solch kompakter Weise Wesentliches aus deutscher Kultur und Geschichte.

Genau das ist der Grund, warum es schon zu einer kleinen Tradition am FCG geworden ist, dass die Deutsch-LKs Weimar besuchen. Im Februar waren dies die beiden Kurse der Q1, die sich in Begleitung von Frau Rolle und Herrn Lindhorst an einem stürmisch-nassen Montagmorgen auf dem Weg nach Weimar machten.

Auf der Route liegt in Eisenach die Wartburg, bei der die Gruppe, die aus 33 Schülerinnen und Schülern bestand, einen Abstecher unternahm, um die bewegte Geschichte dieser Burg zu erfahren, die von der Heiligen Elisabeth im Hochmittelalter über Martin Luther in der Frühen Neuzeit bis hin zum Wartburgfest 1817 wichtige Etappen deutscher Geschichte mitgeprägt hat. Der Wind der Geschichte wehte allerdings sehr heftig durch das Thüringer Land, so dass wir uns trotz bereits langer Fahrt wieder auf den warmen Bus freuten, der uns nach Weimar brachte.

Hier bekamen wir eine erste Stadtführung im sogenannten Quartier der Moderne, welche besonders den Einfluss des Nationalsozialismus in der Architektur beleuchtete, die auf den ersten Blick nicht unbedingt erkennbar ist. So ist das Atrium heute eine Shopping-Mal, die aber ursprünglich als monumentale Festhalle für 20.000 Menschen während der NS-Zeit dienen sollte. Für eine Provinzstadt überdimensional.

Auch der Platz über der Tiefgarage war eigentlich als Aufmarschplatz für NS- Kundgebungen gedacht. Zudem wurde uns bereits hier die Verbindung mit dem KZ Buchenwald deutlich gemacht, das wir am nächsten Tag besuchen würden: Waren es doch Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge, welche alle diese Bauten errichten mussten und auch bei Bombenangriffen weiterarbeiten mussten.

Nach einem langen Tag nahmen wir Quartier in der Jugendherberge Am Poseckschen Garten, die sehr zentral in Weimar gelegen ist.

Am nächsten Tag war unser erstes Ziel die Gedenkstätte Buchenwald. Das eisig kalte Wetter unterstrich die Gräuel, die sich hier vor 80 Jahren ereignet haben und die immer wieder Fassungslosigkeit ob der menschlichen Grausamkeit gegenüber anderen Menschen auslöst: Angefangen beim NS-Zynismus, der sich durch die Inschrift am Lagertor „Jedem das Seine“ bis zum nicht fassbaren Kontrast, dass der damalige Lagerkommandant für seine Kinder direkt angrenzend an das Lager einen Zoo zur Belustigung anlegen ließ.

Der zweite Teil des Tages fand dann wieder in Weimar statt, wo wir durch eine Stadtführung an ausgewählten Orten umfassende Informationen über die Stadt bekamen - angefangen vom klassischen Weimar bis hin zur Entwicklung nach der Wiedervereinigung.

Den Abschluss unserer Exkursion bildete dann der Besuch des Schiller-Museums und des erst 2019 eröffneten Bauhaus-Museums. Während bei Schiller naturgemäß die Klassik und Schillers tiefe Freundschaft zu Goethe thematisiert wurde, welcher bei Schillers Tod vom Verlust seine zweiten Hälfte sprach, erfuhren wir im Bauhaus-Museum dessen Bedeutung, die bis heute in vielen Bereichen unseres Lebens sichtbar wird - bis hin zur Einbauküche.

Erstaunlich dabei waren auch immer wieder die Bezüge zwischen den unterschiedlichen Aspekten Weimars, welche nicht auf den ersten Blick sichtbar sind. So wurde im 2. Weltkrieg das Mobiliar Schillers ins KZ Buchenwald gebracht, um von KZ-Häftlingen nachgebaut zu werden, falls es im Krieg zerstört werden würde.

Am frühen Nachmittag wartete dann noch eine stundenlange Rückfahrt nach Düsseldorf auf uns, aber im Gegensatz zu Montag bei strahlendem Sonnenschein.

Sicherlich wird bei allen der Eindruck geblieben sein: Weimar - mehr als Goethe und Schiller.

Peter Lindhorst